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Das 8. Internationale Gitarrenfestival Saitensprünge – ein Rückblick
„Intensive Geniestreiche“
„Ausverkauftes Hörerlebnis“
„Ein starkes Quartett“
„Ein Magier der Saitensprünge“
„Lyrische Tiefe und Temperament“
„Magische Hände auf sechs Saiten“
„Mitreissende Vielfalt der Gitarre“

So waren ein paar der Zeitungskritiken über Konzerte der Saitensprünge-Saison 2007 überschrieben. Die Aufzählung ließe sich ohne einen einzigen Verriss noch fortsetzen – und spricht doch auch so bereits Bände über das, was da vom 6. bis zum 24. November 2007 in Bad Aibling über die Bühnen ging. Erstmalig in der Geschichte des oberbayerischen Gitarrenfestivals fanden im Hauptprogramm zehn statt wie bisher acht Konzerte statt. Das Konzept ging auf. Und das nicht nur hinsichtlich der künstlerisch-musikalischen Qualität. Dass letztere bei den Saitensprüngen exorbitant hoch ist,  hat sich längst bis weit über die Landkreisgrenzen herumgesprochen. Und so zog die hier gebotene „Mitreissende Vielfalt der Gitarre“ 2771 Besucher an, die Gesamtauslastung lag damit bei 78 Prozent der insgesamt zu vergebenden Plätze. Für das Festival ist das eine stolze Bilanz, die mit großer Zuversicht in die Zukunft blicken lässt. Für die Fans der Gitarre bedeutet der statistische Schnitt von 277 Besuchern pro Konzert eine ansprechende Balance zwischen dem Treffen mit vielen Gleichgesinnten und einer doch recht großen Unmittelbarkeit und Nähe. Es bedarf hier keiner Videoübertragung, um den Weltstars der Gitarre auf die Finger sehen zu können. Dies ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil hier vielfach wirklich „unplugged“ gespielt wird. Pur, ohne Strom. So kommt gerade die klassische Gitarrenmusik bestens zur Geltung, in ihrer intimen Klangschönheit. Dazu bedarf es allerdings einer bestechend guten Raumakustik – wie sie der Konzertsaal des Kurhauses in Bad Aibling erfreulicherweise aufweist.

Und so konnte beispielsweise die „prächtige Eröffnung“ der Saitensprünge 2007 (Zitat: Engelbert Kaiser in seiner Würdigung im Traunsteiner Tagblatt) mit dem süddeutschen Meistergitarristen Augustin Wiedemann stromlos, aber nichtsdestoweniger im übertragenen Sinn auf elektrifizierende Art und Weise stattfinden. Hier Auszüge aus dem letzten Absatz der Zeitungskritik: „Zwei Kompositionen von Agustin Barrios, diesem schrägen Vogel der Gitarrenmusik, der sich auch als Paganini der Gitarre aus dem Dschungel des Amazonas bezeichnete, eine neobarocke Gavotte im alten Stil und ein sehr neoromantisches „Lied auf die Liebe Gottes“ leiteten über zu Wiedemanns persönlichem Schwerpunkt: Burkhard „Buck“ Wolters (geboren 1961) hat ihm eine „Sonata Africana“ gewidmet – „Ich habe sie eine Jahr lang geübt, und jetzt spielen wir sie.“ In den drei Sätzen „Savanna – Desert – Jungle“ ließ Augustin Wiedemann die Schönheit dieser Landschaften mit all ihren Reizen lebendig werden, in kraftvollen afrikanischen Anklängen und Rhythmen. Die Wüste schien in der Morgenkühle zu erwachen und geizte nicht mit Tageshitze; der Dschungel protzte mit expressivem, farbigem Rhythmus und allen Spieltechniken, die die Gitarre so hergibt.“

Womit nebenbei ein Charakteristikum der Gitarre und ihrer Musik notiert ist, das nicht minder stark im nächsten, ausverkauften Konzert mit dem Los Angeles Guitar Quartet aufschien: Gitarrenmusik ist Globalisierung der anderen Art. Ein quicklebendiger, weltumspannender Austausch von Farben, Klängen und Ideen. Was paradox anmutet, nämlich die Verbindung der Gegensätze nah und fern, universal und höchst individuell macht dabei oft gerade den Reiz aus. In der LAGQ-Fassung, in diesem Konzert sah das so aus: Auf die Ouvertüre aus Rossinis „Barbiere de Sevilla“ folgte Bach, Höhepunkt des Konzerts war dann der zweite Teil nach der Pause, als brasilianische , keltische und spanische Weltmusik-Exkursionen auf dem Programm standen. „Ein verschmitztes Lächeln, schon sauste es los. Einzigartige Hörerlebnisse wurden geboten“ (Marco Frei, Oberbayerisches Volksblatt). Für Matthew Greif, der als Nachfolger von Andrew York erst seit kurzem in dem 1980 gegründeten Ensemble mitspielt, war das Saitensprünge-Konzert sein Deutschland-Debüt.

Double-Feature für Philipp Stauber, „einen der besten Jazzgitarristen, die wir hierzulande haben“(Archtop Germany): der im Landkreis Rosenheim ansässige Jazzer mit Vorliebe für hochkarätige Archtop-Gitarren à la Gibson L5 präsentierte sich zunächst als swingender, zuweilen stark bluesiger Solist mit der Aiblinger Bigband unter der Leitung von Bernd Schmid, dann in einem fabelhaften Quartett zusammen mit dem nicht weniger renommierten Jazzgitarristen Helmut Kagerer, mit Henning Sieverts, dem frisch gekürten Gewinner des Deutschen Jazzpreises 2007 am Kontrabass und Michael Keul am Schlagzeug. Andreas Friedrich, der Kritiker des zweiten Abends zitierte nicht zu Unrecht eine Passage aus Michael Köhlmeiers
großem Roman „Abendland“, in dem die Geschichte eines Jazzgitarristen erzählt wird: „Die Zuhörer waren begeistert; begeistert von der Virtuosität und der Vielfalt der musikalischen Einfälle.“ So war es auf jeden Fall auch hier.

Ganz anders, aber nicht weniger begeisternd dann Castañuela Contemporanea, wenige Tage später. Der ursprünglich aus Österreich stammende Gitarrist Andreas Maria Germek und die spanische Tänzerin und Kastagnetten-Virtuosin Belén Cabanes ergänzten Werke des klassischen Gitarrenrepertoires mit Flamenco-Kompositionen und interpretierten diesen Stoff mit und durch die Gitarre, den Tanz, die Kastagnetten. Weltweit dürfte dieses Duo damit einzigartig sein. „Faszinierende Choreographie, unglaubliche Musikalität und Sensibilität, virtuose Kunst und einfühlsame Rhythmik (…) das kongeniale Paar zog sofort das Publikum in seinen Bann“, attestierte Ulrich Nathen in seiner Zeitungskritik.

Viel gesungen wurde bei den diesjährigen Bairischen Saitenblicken, natürlich meist mit Gitarrenbegleitung. Mit der Tanzlmusi Ferchenseeklang und der Wetterstoa Musi waren gleich zwei Instrumentalgruppen aus Mittenwald zu Gast, im reizvollen Kontrast zu den Männerstimmen der Riederinger Sänger standen die Frauenstimmen des Sulzberger Dreigesangs aus der Gegend um Brannenburg und der gemischte Dreigesang der Bad Feilnbacher Geschwister Forster. Durch den Abend führte in Gestalt Manfred Wörnles ein echtes volksmusikalisches Urgestein – ebenfalls aus Mittenwald. Der Publikumszuspruch war überwältigend, das lange und abwechslungsreiche Programm fand mit Tischbestuhlung und Bewirtung statt.

Zu einem Dauerbrenner hat sich – bei von Jahr zu Jahr völlig geänderter Zusammenstellung der Künstler – der Guitarrissimo!-Abend entwickelt. Längst hat sich herumgesprochen, dass dieses „Festival im Festival“ immer wieder hochkarätige Überraschungen bietet und völlig faszinierende Entdeckungen ermöglicht, und das auf die unterhaltsamste Art und Weise. So präsentierte die 2007-er Ausgabe ausnahmslos frische Gesichter. Mit dem Baltic Guitar Quartet war erstmals ein klassisches Gitarrenensemble aus Litauen zu Gast, dem bereits vielfach Originalkompositionen gewidmet werden und das mit der Frische seiner Interpretationen sofort begeistern und sich in
die Herzen der Zuhörer spielen konnte. Der gefeierte Songpoet Ramón Tarrio aus der spanischen Nordafrika-Enklave Ceuta trat zusammen mit dem spanischen Gitarristen Juan Carlos Lopez auf. Viele von Tarrios Liedern befassen sich mit der Situation der afrikanischen Bootsflüchtlinge. Und dann waren da noch Antal Pusztai aus Ungarn und der in aller Welt gefeierte Engländer Graham Devine. Beides echte Magier der Gitarre, unbestritten. „Losgelöst von Zeit, Raum und Zwängen schien der Ausnahmevirtuose der akustischen Gitarre, Antal Pusztai, zu sein. Er bewegt sich gleichermaßen selbstverständlich und hochkarätig in der klassischen Musik wie im Jazz (…) seine Markenzeichen: eine unglaubliche Virtuosität, lebendige Eigenkompositionen, die spannende Filme in den Köpfen der Zuhörer ablaufen lassen, expressionistische Klangmalereien, die Klassik und Jazz miteinander verschmelzen lassen“, so Ulrich Nathen in seiner OVB-Kritik. Nathen über Devine: „Trotz seiner rasanten Melodieläufe über das gesamte Griffbrett seiner Meistergitarre wurde nahezu jeder Ton zu einem besonderen Erlebnis – kraftvoll, ausdrucksstark und dennoch gefühlvoll modellierte er seine Klangkollagen“.

„Lyrische Tiefe und Temperament“ bescheinigte Nathens Kritikerkollege Andreas Friedrich dem zum Trio erweiterten Duo Faro des großen einheimischen Gitarristen Robert Wolf. Faro lässt sich, wie auch Friedrich anmerkte, als Kurzform der Vornamen Fany (Kammerlander – Cello) und Robert (Wolf – Gitarre) lesen, steht jedoch auch in mehreren romanischen Sprachen für den Leuchtturm. Zusammen mit dem Trompeter und Flügelhornisten Reinhard Greiner erzielten der Gitarrist und die Cellistin „geschickte Fusionen im Übergang zwischen Folk, Jazz und klassischer Musik, grenzgängerisch und dabei traumwandlerisch sicher (…) Faro präsentierte eine große Bandbreite musikalischer Heimaten von Süd nach Nord“, Zitat Friedrich.

Hochspannung bei den Organisatoren herrschte vor dem vorletzten Konzert des Festivals, insbesondere bei Kurdirektor Thomas Jahn. Schlechte Nachrichten waren da von Thomas Fellow, einem der beiden Gitarristen des Duos Hands on Strings gekommen: er sei eigentlich krank, habe Fieber. Doch er kam, spielte trotz Fieber ganz ausgezeichnet im Gespann mit Kollege Stephan Bormann. Die beiden bedienten sich neben nylonbesaiteten Konzerten auch einer zwölfsaitigen und einer halbakustischen Gitarre, letzteres beispielsweise bei einer explosiven Interpretation von Michael Jacksons Popklassiker „Billie Jean“. Ansonsten waren hier vorwiegend ausgezeichnete Eigenkompositionen zu hören, anders als bei

Nora Buschmann, die das zweite Konzert des Abends spielte. Dass die Konzertgitarristin mit ausschließlich auskomponiertem Repertoire im Gepäck zu den Besten ihres Fachs zählt, war nach diesem an purer Klangschönheit und interpretatorischer Klasse kaum zu überbietenden Auftritt sonnenklar.

„Intensive Geniestreiche“ (Marco Frei, OVB) dann beim letzten Konzert der Spielzeit. Johannes Erkes, der künstlerische Leiter der Saitensprünge zeigte sich nach langen Jahren diesbezüglicher Abstinenz auf der Festivalbühne als das, was er eigentlich in erster Linie ist: ein international renommierter und tätiger Bratschist und Kammermusiker. Zusammen mit seinen italienischen Kollegen Giampaolo Bandini (Gitarre) und Massimo Mercelli (Querflöte) bot er ein kontrastreiches Programm mit Werken von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Ravi Shankar und Claude Debussy dar. „Das war verlebendigte Musik, großer Beifall (…) Als Zugabe heizte das Trio Bandini, Erkes & Mercelli mit Piazzollas „Libertango“ ein, in diesem Jahr haben dies auch schon Hands on Strings sowie das Trio Faro getan.“ So Marco Frei in seiner Konzertkritik. „Doch diese Version war die beste – mal schauen, was 2008 bringen wird.“

Thomas Kraus

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