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Saitensprünge 2011 im Rückspiegel

Noch nie in der Geschichte des Internationalen Gitarrenfestivals Saitensprünge in Bad Aibling gab es binnen einer Spielzeit so viele Veranstaltungen wie 2011: Zehn Konzerte im Hauptprogramm in den beiden Sälen des Kurhauses, vier Konzerte im Rahmenprogramm in verschiedenen Aiblinger Lokalen, dazu fünf Kinovorführungen im cineastischen Vorprogramm.

Es waren also insgesamt 19 Veranstaltungen, die zwischen dem 23. Oktober und dem 24. November über die Bühnen und die Leinwände gingen, und für Begeisterung mit zuweilen Standing Ovations bei einem bunt gemischten Publikum sorgten, das viele Stars des Festivals immer wieder auf`s Neue als aussergewöhnlich aufmerksam bezeichnen. In Zusammenarbeit mit Soulkino, dem von Andrea Hailer initiierten Verbund eigentümergeführter Lichtspielhäuser fand vom 23. bis 27. Oktober erstmals ein filmisches Festival-Warmup statt. Passend zu dem stark flamencohaltigen Festivalprogramm zeigten fünf oberbayerische Kinos in Bad Aibling, Prien am Chiemsee, Waldkraiburg, Bad Reichenhall und Wasserburg den Dokumentarfilm „Der Flamenco Clan“, ein einfühlsames, poetisches und aussagekräftiges Filmporträt der andalusischen Flamenco-Dynastie der Carmonas. Der Regisseur des Films, der deutsche Filmemacher Michael Meert war zur ersten Vorführung im Aibvision-Kino extra aus Köln angereist und bot in einem Filmgespräch interessante Einblicke in die Enstehungsgeschichte des Films und erzählte lebendig von der Musikszene Südspaniens.

Mit einem Konzert von Vicente Amigo starteten die Saitensprünge am 3. November ins Hauptprogramm, einem der größten Stars des aktuellen Flamenco, dessen Name in einem Atemzug mit dem Paco de Lucias genannt wird. Zu Recht, wie dieses phänomenale Konzert bewies, das der Grammy-Preisträger zusammen mit seinem grandiosen Quintett präsentierte. Amigo verbindet Tradition und Moderne auf einzigartige Weise, wie auch Andreas Friedrich, der Kritiker des Oberbayerischen Volksblatts (OVB) in seiner Kritik feststellte. Miguel Iven, selbst ein exzellenter Flamenco-Gitarrist führte nach dem Konzert ein Interview mit Vicente Amigo, das im Flamenco-Fachmagazin „Anda!“ und einem Radiofeature des NDR veröffentlicht wird. Die beiden kennen sich seit Jahrzehnten. Iven war in der Geschichte der Saitensprünge selbst mehrmals als Gitarrist zu erleben. Das Rundschau-Magazin des Bayerischen Fernsehens war mit einem Kamerateam zugegen und widmete auch der diesjährigen Festivaleröffnung wieder einen eigenen Fernsehbeitrag. Weit ausführlicher fiel allerdings die mediale Präsentation durch das Regionalfernsehen Oberbayern (RFO), das mit schönen Konzertankündigungen so richtig Lust auf die diesjährigen Saitensprünge machte. Was für ein Auftakt!

In den folgenden Tagen ging es Schlag auf Schlag: Am 4. November trat das australische Duo Julz Parker und Leesa Gentz alias „The Hussy Hicks“ im Saal des voll besetzten Hotels Schmelmer Hof auf, in Begleitung der erst 17-Jährigen Minnie Marcks. Bereits deren Auftritt im „Vorprogramm“ sorgte für viel Applaus. Alle drei überzeugten sowohl stimmlich als auch gitarristisch, und nicht zuletzt durch klasse Songs aus eigener Feder.

„Klangkosmos ohne Grenzen“ betitelte das OVB die Kritik über das Konzert des ungarischen Jazzgitarristen Ferenc Snétberger, der am 6. November im Trio mit seinem Sohn Tony am Schlagzeug und József Horváth am Kontrabass konzertierte. Von einem „besonders feinen und filigranen Musikabend“, einem großartigen „Konzert, das den Hörern neue Klangwelten eröffnete“ war mit vollem Recht im Zeitungstext zu lesen. Tags darauf alte Bekannte in der Bodega Mamajuana am Marienplatz: Die „Locos Por La Rumba“ sorgten wie bereits in den Jahren zu vor für einen heissen, ausgelassenen südländischen Abend, dieses Jahr ohne Schnee vor der Tür des Lokals.

Europa war großes Thema diesen November, in allen Medien, unter dem Vorzeichen der Finanzkrise. Eine ganz andere Sicht auf den Kontinent bot am Dienstag, den 8. November der fränkische Gitarrist Frank Wuppinger mit seinem „Orchestre Europa“. Leider nahmen nicht allzuviele Musikfans die Gelegenheit war, sich vom Swing des Alten Kontinents anstecken zu lassen. „Musik ohne Grenzen“ (OVB), fürwahr, und was für eine!

Volles Haus dagegen bei den folgenden zwei Konzertabenden im großen Festsaal des Kurhauses: Die „Bairischen Saitenblicke“, seit den Anfangstagen des Festivals der Blick auf die eigenen musikalischen Wurzeln der Region und ein unverzichtbarer und überaus beliebter Programmpunkt der Saitensprünge zog auch heuer wieder viele Freunde der echten, unverfälschten bairischen Volksmusik an. Die Geschwister Ertl, die Miesbacher Musikanten, die Greilinger Sänger, die Hirschberg Zithermusi, die Biergriagl Musi boten eine wunderbare Mischung aus beschaulichen Weisen und frischen Tanzstücken.

Über 500 Besucher kamen am darauffolgenden Samstag, den 12. November zur 2011er Ausgabe des Guitarrissimo!-Abends.Moderiert von Johannes Erkes, dem künstlerischen Leiter des Festivals vereinte dieser Abend nicht nur zwei aus der Region stammenden Ensembles, das Wasserburger Gitarrenensemble und die Bad Aiblinger Flamencogruppe Las Corazonadas mit international bekannten Musikern auf der Bühne, sondern auch unterschiedliche musikalische Genres, mit sehr unterhaltsamem und staunenswertem Ergebnis: Der Flamencomusiker Jan Hengmith, der in der Geschichte der Saitensprünge bereits mehrfach aufgetreten war scheint – kaum vorstellbar – noch einen Zacken an Virtuosität zugelegt zu haben, und verblüffte die, die ihn als puren Flamencokünstler kannten mit versiertem Gipsy-Swing, begleitet von Medi Samsami auf seiner Maccaferri-Style-Gitarre. Die Spanierin Anabel Montesinosinterpretierte elegant und rasant Werke der spanischen Romantik wie Isaac Albéniz` „Asturias“. Viel Beifall nicht nur von Fans aus der Gegend bekamen die Corazonadas-Tänzerinnen Rayka Rudholzer, Rebecca Wrobel und Zlata Pitzl für ihren gekonnten Tanz sowie die beiden Musiker der Gruppe, Clemens Wagner (Gitarre) und Reinhard Roller (Akkordeon) für ihr inspiriertes Spiel. Die Entdeckung des Abends war jedoch zweifelsohne Christian Buchmann. Was der gebürtige Leipziger auf seiner Gitarre anstellte, sprengt alle Kategorien. Kein Wunder, dass all seine CDs bereits zu Beginn der Pause ausverkauft waren.

Sonntag, 13. November im Irish Pub Gelling`s The Bogtrotter: Mit Chris Proctor aus Salt Lake City, USA gastierte an diesem Abend im Rahmenprogramm und auf Einladung seines in der Region ansässigen Kollegen Paul Stowe ein Musiker, der 1982 die US National Fingerstyle Guitar Competition gewonnen hatte, und dessen Name eng mit dem legendären Plattenlabel Windham Hill verbunden ist. Proctor überzeugte mit seinen größtenteils selbst komponierten, auf Blues- und Ragtimespielweisen basierenden Instrumentals mit einem ausgefuchsten Personalstil, hoch virtuosen Läufen über pulsierenden Wechselbässe des behenden Daumens. Gegen Ende des Abends kam es zu einer launigen Session mit Stowe und Proctor.

Eine Mann, eine Konzertgitarre, ein Stuhl: Puristischer kann Gitarrenmusik kaum sein, als bei Manuel Barruecos Solo Recital am Dienstag, 15. November im Festsaal des Kurhauses. Der seit Jahrzehnten in den USA lebende Exil-Kubaner und Grammy-Preisträger kombinierte in seinem exzellent gespielten Programm Werke von Bach, Piazzolla, Ponce, Albéniz, Tárrega und Malats und schlug damit einen weiten Bogen vom deutschen Barock über die spanische Hochromantik bis zum argentinischen Nuevo Tango. „Internationale Meisterklasse – Manuel Barrueco brillierte“ titelte das OVB: „Das Publikum erlebte einen grandiosen Gitarrenabend“. Fürwahr.

Noch ein Grammy-Gewinner: Andrew York, vielen noch bekannt vom Los Angeles Guitar Quartet, dessen Mitglied er sechzehn Jahre lang war, spielte zwei Tage nach Barrueco ebenfalls Bach, ebenfalls eine der Cello-Suiten. Das Gros seines Programms bestand jedoch aus Eigenkompositionen, darunter die Suiten „Glimmering“, „Woven Harmony“ und „Three Places“. Ein weiterer, „exzellenter Gitarrenabend“, dargeboten von einem Künstler, der überaus bescheiden und locker auftritt und dabei großartig spielt – „Glimmer ohne Glamour“ schrieb Rainer W. Janka im OVB, was natürlich als Kompliment gemeint war.

Man muss kein Prophet sein, um dem jungen „Traumpaar der Konzertgitarre“ eine große Karriere vorauszusagen, das am 20. November seinen Einstand bei den Saitensprüngen gab: Ursprünglich sollte Magdalena Kaltcheva solo spielen, die bereits im Kinotrailer des Festivals zu sehen war (2010 und 2011). Im Lauf der Planungszeit des Festivals hatte die junge bulgarische Virtuosin jedoch zusammen mit ihrem musikalischen- und Lebenspartner Carlo Corrieri aus Italien ein Duo gebildet, das „Duo de Chocolat“ (neuer Name ab 2012: CARisMA) und bereits mit ihren allerersten Konzerten für reichlich Furore gesorgt. Vor einem fast ausverkauften Saal spielte zunächst Magdalena Kaltcheva solo die Sonata für Gitarre von Leo Brouwer, dann den ersten Satz aus Joaquin Rodrigos „Elogio de la Guitarra“. Anschließend interpretierten beide im Duo mit traumwandlerischer Sicherheit, wunderbarer Klangschönheit und hoher Musikalität die „Suite Retratos“ von Radames Gnattalli, Auszüge aus dem „Barbier von Sevilla“ und „La Gazza Ladra“ von Gioacchino Rossini und – für viele der Höhepunkt des Abends – die „Chocolat Suite“ nach der Filmmusik von Rachel Portman.

Ein Jubiläum: Trevor Morriss und Paul Stowe, besser bekannt als „The Matching Ties“ feierten am 21.11. ihr sage und schreibe 25-jähriges Bühnenjubiläum im Irish Pub Gelling`s The Bogtrotter. Die beiden sind ohnehin dafür bekannt, dass sie mit Blues, Ragtime, Swing und Folk mit allerlei Saiteninstrumenten für reichlich gute Laune sorgen, also stelle man sich die Stimmung an diesem Abend vor…

Julia Malischnig, die Gitarristin, Komponistin und Sängerin aus dem österreichischen Villach begeisterte mit ihrem Auftritt beim letztjährigen Guitarrissimo!-Abend so nachhaltig, dass sie dieses Jahr zusammen mit ihrem Quintett für einen eigenen Konzertabend eingeladen wurde. Sie präsentierte dabei ihr aktuelles Doppelalbum „City Of Dreams“, und trat weniger als Gitarristin denn als soulige Sängerin in Erscheinung. Mit José Saluzzi, dem Sohn des großen argentinischen Bandoneonisten Dino Saluzzi, der vor Jahren auch schon im gleichen Saal gastierte, damals mit der Cellistin Anja Lechner, hatte sie einen ebenbürtigen Gitarrenpartner dabei, Oliver Steger war am Kontrabass zu hören, Dieter Stemmer am Klavier und Ingrid Obercanins an Percussionsinstrumenten. +

„Gaukler mit Gitarren“ waren dann am 24. November für das Grande Finale zuständig: Paul Morocco & Olé! schreckten in ihrer aberwitzigen Show vor nichts zurück und zogen sämtliche Register von Slapstick, Comedy  und Musikclownerie. Musikalisch ging es kunterbunt durch die Popgeschichte: Von den Bee Gees über Elvis und die Gipsy Kings hatten die drei verschiedenste Hits dabei, die sie gekonnt und unter Mitwrikung des Publikums parodierten. „Die Wechselwirkung zwischen Bühne und Publikum lief bestens: Orangen wurden gerne von den Besuchern wieder zu Morocco zurückbefördert, der sie gerne in seine Jonglagen einbaute, ebenso wie die Tischtennisbälle, mit denen sich das Allroundtalent ein heisses Match mit zwei Gästen aus der ersten Reihe lieferte. Sogar Eier flogen in „Ei-Bling“ durch den Saal,“ so der Kritiker Andreas Friedrich im OVB, “ Im Stehen applaudierten die begeisterten Besucher zum Finale in Bad Aibling.“

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