„Das Publikum vollendet das Kunstwerk“ – Interview mit Eliot Fisk

Gitarrist Eliot Fisk mit Gitarre in Universitätssaal

Im Gespräch mit Eliot Fisk

Eliot Fisk gehört zu den prägenden Gitarristen seiner Generation. Der amerikanische Musiker war viele Jahre Professor am Mozarteum in Salzburg und hat Generationen von Gitarristinnen und Gitarristen aus aller Welt geprägt. Gleichzeitig ist er bis heute ein neugieriger musikalischer Grenzgänger: Er beschäftigt sich intensiv mit zeitgenössischer Musik, arbeitet mit Komponisten zusammen und lotet immer wieder die Möglichkeiten der klassischen Gitarre aus.

Bei den Saitensprüngen ist Fisk heuer bereits zum vierten Mal zu Gast. Im Gespräch erzählt er, was ihn immer wieder nach Bad Aibling zieht, warum für ihn kein Konzert wie das andere ist und weshalb Spontaneität und Risiko für ihn untrennbar mit großer musikalischer Kunst verbunden sind. Außerdem verrät er, worauf sich das Publikum bei seinem diesjährigen Auftritt freuen darf.

Eliot, du bist heuer bereits zum vierten Mal bei den Saitensprüngen zu Gast. Was zieht dich immer wieder nach Bad Aibling?

Eliot Fisk: Vor allem die persönlichen Beziehungen. Ich habe eine lange Freundschaft mit Augustin Wiedemann, und wenn man die Veranstalter persönlich kennt, bekommt ein Festival ein ganz anderes Gefühl. Dazu kommt, dass Bad Aibling inzwischen eine richtige Gitarrenhochburg ist. Ich habe das Publikum als sehr freundlich und aufmerksam in Erinnerung – das sind wunderbare Bedingungen für ein Konzert. Und natürlich ist auch die Gegend sehr schön.

Du hast viele Jahre am Mozarteum unterrichtet und veranstaltest selbst ein Gitarrenfestival in Boston. Was fasziniert dich an Festivals und am Austausch zwischen Musikern und Publikum?

Eliot Fisk: Für mich sind Festivals eine wunderbare Möglichkeit, Menschen und unterschiedliche musikalische Welten zusammenzubringen. Besonders wichtig ist mir dabei der Austausch zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich habe mich sehr intensiv mit zeitgenössischer Musik beschäftigt und mit vielen Komponisten gearbeitet. Gleichzeitig gehört die große musikalische Tradition für mich unbedingt dazu. Gerade auf der Gitarre kann man dadurch eine Reise durch viele Jahrhunderte unternehmen.

Was macht für dich einen gelungenen Konzertabend aus – und welche Rolle spielt dabei das Publikum?

Eliot Fisk: Ein gelungenes Konzert ist für mich eines, bei dem die Musik beim Publikum wirklich ankommt. Meine Vorstellung von Virtuosität hat viel mit Spontaneität und Risiko zu tun. Sonst wiederholt man nur das, was man im Übungsraum vorbereitet hat. Das Publikum vollendet gewissermaßen das Kunstwerk. Ich versuche deshalb sehr genau zu spüren, was im Saal passiert, und manchmal spontan darauf zu reagieren. Dadurch ist kein Konzert genau wie das andere.

Du bist dafür bekannt, die Möglichkeiten der klassischen Gitarre immer wieder neu auszuloten. Was reizt dich daran, musikalische Grenzen zu überschreiten?

Eliot Fisk: Für mich ist das weniger ein Überschreiten von Grenzen als ein Erforschen. Ich bin einfach neugierig und möchte immer wieder herausfinden, was auf der Gitarre möglich ist. Es gibt so viele Dinge, die ich noch ausprobieren möchte, und ständig entstehen neue Kompositionen. Dabei interessiert mich auch der Austausch mit Musikern außerhalb der klassischen Musik, etwa mit Jazzern oder Flamenco-Musikern. Ich möchte nicht einfach immer dasselbe möglichst perfekt wiederholen, sondern mich weiterentwickeln.

Was hast du für deinen diesjährigen Auftritt bei den Saitensprüngen im Gepäck und worauf dürfen sich die Besucher freuen?

Eliot Fisk: Ich möchte mit der Gitarre wieder eine Reise durch verschiedene Jahrhunderte unternehmen. Ich habe über die Jahre ein sehr großes Repertoire entwickelt und spiele deshalb gerne immer wieder andere Programme. Außerdem möchte ich ein Stück des amerikanischen Komponisten Robert Beaser spielen, das ich gemeinsam mit Beaser für die Gitarre bearbeitet habe. Es ist sehr virtuos und war bei der ersten Aufführung ein gewisses Risiko – aber es wurde ein großer Erfolg. Ich hoffe, dass auch das Publikum in Bad Aibling Freude daran haben wird.

Nach so vielen Jahren als Musiker und Lehrer: Was kann dich auf der Bühne heute noch überraschen oder begeistern?

Eliot Fisk: Eigentlich kann mich das immer noch überraschen. Besonders spannend ist es, wenn man ein musikalisches Risiko eingeht und vorher nicht weiß, wie das Publikum reagieren wird. Ich habe gerade ein sehr anspruchsvolles Programm gespielt und wusste nicht, ob die Musik ankommen würde. Am Ende waren die Menschen völlig bewegt. Genau solche Momente begeistern mich: wenn man merkt, dass die Musik den Menschen etwas vermittelt, das über das bloße Hören schöner Musik hinausgeht.

Lieber Eliot, wir freuen uns auf deinen Auftritt beim Festival am 18. November 2026!