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Das Internationale Gitarrenfestival Saitensprünge steht für musikalische Experimente, große Namen und einen bunten Mix an Musikern. Jazz, Flamenco, Klassik, Gypsy, Swing. Der legendäre ungarische Geiger Roby Lakatos steht für unkonventionelle Mischungen unterschiedlichster Stile. Wir haben mit ihm über seine Einflüsse, sein musikalisches Erbe und wie wichtig musikalische Früherziehung für Kinder ist,  gesprochen.

Sie waren bereits mit Größen wie Martha Argerich im Studio, haben Yiddische Musik mit Myriam Fuks interpretiert und mit noch vielen anderen die unterschiedlichsten Stile aufgenommen. In welcher Musikrichtung fühlen Sie sich am wohlsten?
Das sind für mich auf jeden Fall die Gypsy-Musik und der Jazz. Das sind meine beiden musikalischen Grundlagen für alles was ich mache. Als ich damals angefangen habe, neue Musik zu entdecken und neue Stile zu entwickeln, habe ich ganz viele Elemente der klassischen Musik übernommen. Auch die Klezmer-Musik liegt mir natürlich am Herzen, weil sie musikalisch nah am Gypsy-Stil liegt.

Einer Ihrer vielen Spitznamen ist – natürlich in Anlehnung an Niccolo Paganini – der „Teufelsgeiger“. Welche Parallelen und welche Unterschiede sehen Sie zwischen ihm und Ihnen?
Natürlich war Paganini der größte Geiger in der Geschichte, aber ich glaube was uns verbindet, ist die Improvisation. Obwohl Paganini aus der Klassik kommt, hat auch bei ihm alles mit der Improvisation begonnen. Das ist natürlich ein Element, das uns beide zusammenbringt. Aber ich glaube, man nennt mich den „Teufelsgeiger“ wegen meines Pizzicatos. Ich spiele die Geige teilweise wie eine Balalaika.

Ihre Musik ist eine einzigartige Mischung aus ungarischer Gypsy-Musik, Jazz und klassischer Musik. Können Sie Ihre Musik selber in fünf Worten beschreiben?
(lacht) Vor ein paar Wochen hat mir ein belgischer Journalist dieselbe Frage vor einem Konzert gestellt. Nach dem Konzert kam er zu mir und beantwortete die Frage selber: es sei unorthodoxe Gypsy-Fusion-Musik. Das sind zwar nur vier Wörter, aber ich denke, es beschreibt meine Musik ziemlich genau (lacht wieder). Ich habe viele Elemente der Gypsy-Musik verändert und spiele sie eigentlich genau anders herum – langsame Teile werden plötzlich schneller und die schnellen Abschnitte bremse ich herunter. Der Rhythmus wechselt sich ständig. Das hat einen ganz speziellen Drive.

Mit nur neun Jahren standen Sie bereits das erste Mal in der Öffentlichkeit auf einer Bühne – wie wichtig ist musikalische Früherziehung für Kinder und welche Rolle hat sie in Ihrem Leben gespielt?
Die musikalische Früherziehung ist Alles. Als ich fünf Jahre alt war, schickte mich mein Vater nach Budapest zum besten Geigenlehrer. Die ersten beiden Monate waren unglaublich schwer und anstrengend, aber danach wurde es einfach super. Daher sage ich immer allen: das wichtigste Alter für die Geige, aber auch für Musik an sich, ist das Alter zwischen sechs und 14 Jahren – und das galt auch für mich.

Sie sind die siebte Generation nach dem legendären Janos Biharo, der 1827 starb und von Komponisten wie Beethoven oder Liszt bewundert wurde – was bedeutet Ihnen ihr musikalisches Erbe?
Ich werde immer wieder darauf angesprochen, dass sich gewisse Dinge alle paar Generationen wiederholen, vor allem innerhalb einer Familie. Janos hat damals auch viele neue Elemente in seine Musik integriert, ähnlich wie ich das nun mache. So wie Janos damals traditionelle Musik in die klassische Musik hat einfließen lassen, lasse ich nun Jazz oder wiederum klassische Musik in die Gypsy-Musik einfließen.

Haben Sie denn den Eindruck, dass der Name Janos Bihari eher ein Hindernis ist und Druck aufbaut oder eine Möglichkeit, die Türen öffnet?
Auf jeden Fall ist es eine Chance. Wir haben ihm viel zu verdanken und das bietet auch tolle Möglichkeiten für mich.

Bei ihrem Konzert auf dem Internationalen Gitarrenfestival Saitensprünge werden Sie natürlich nicht solo auftreten, sondern in Begleitung – was erwartet den Besucher?
Ich komme mit meiner gesamten Band! Die besteht aus einer zweiten Violine, einem Timbalon, Piano, Gitarre und einem Bass. Musikalisch werden uns an meinem Album „La Passion“ orientieren, das wir live in der Sydney Opera aufgenommen haben. Die Platte bietet einen tollen Schnitt durch mein gesamtes Repertoire, es ist eine bunte Mischung von allem. Gypsy, Jazz, Yiddisch und vielem mehr. Den Besucher erwarten viele neue Rhythmen, Farben, Stimmungen.

Man bekommt den Eindruck, die Leute werden sich immer mehr ihrer musikalischen Wurzeln bewusst und traditionelle Musik wird immer populärer. Wie sehen Sie die Zukunft von Gypsy-Musik?
Die Zukunft wird spannend! Es gibt hier zwei Gruppen. Die jungen Nachwuchsmusiker orientieren sich eher an Django Reinhardt und der ganz klassischen Musik, während die älteren Musiker sich an der traditionellen Musik aus Ungarn orientieren. Wenn ich nach Bukarest oder Budapest fahre, werde ich überrumpelt von der unglaublichen Anzahl von fantastischen Musikern. Daraus entsteht ein ganz neues Publikum. Ich lebe gerade in Belgien, wo diese Musik vor allem vor dem zweiten Weltkrieg unglaublich populär war. Diese Bewegung erlebt gerade ein riesiges Comeback. Das ist natürlich eine relativ kleine Nische. Meine Musik erreicht ein breiteres Publikum, weil ich sie für viele Leute geöffnet habe. Die jungen Leute mögen den Jazz in meiner Musik, die etwas älteren Leute vielleicht eher die klassischen Einflüsse oder meine spezielle Geigen-Technik. Es ist für alle etwas dabei, daher wird die Zukunft dieser Musik unglaublich spannend.

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